Herr Frölich

Frau Holtmann* betreut ihren 85 Jahre alten Vater, Herrn Frölich, der im Erdgeschoss ihres Zweifamilienhauses in Kassel-Harleshausen wohnt. Der pensionierte Postbeamte liebt die Rosen vor seiner Terrasse. Früher hat er leidenschaftlich gerne im Garten gearbeitet. Heute, nach einer Oberschenkelfraktur kann er nur noch mit Hilfe anderer gehen. Er benötigt Hilfe bei der Körperpflege und hat eine Pflegestufe. Kürzlich meinte der Hausarzt, der Vater leide auch an zunehmender Demenz. „Ich bin zu nichts mehr zu gebrauchen“ klagt er immer wieder. Mehrmals täglich klingelt er bei seiner Tochter; einfach nur so, um Kleinigkeiten zu erfragen. Er hat Angst, allein gelassen zu werden. Langweile kennzeichnet seinen Alltag. Zum Zeitungslesen fehlt der Antrieb, aufs Fernsehprogramm kann er sich nicht konzentrieren.

 „Ich bin ja gerne für meinen Vater da“, erzählt Frau Holtmann, aber in letzter Zeit sei sie selbst oft schlapp und überreizt. Schon seit Wochen ist sie nicht mehr in der Stadt gewesen. Die Zeit reicht nur noch für die nötigsten Einkäufe um die Ecke. Und für den Besuch bei den eigenen Enkeln fehlt ihr schlichtweg  die Zeit. „Ich kann Vater doch nicht alleine lassen“ meint sie.

 Doch dann kommt die längere Untersuchung beim Arzt und Frau Holtmann weiß nicht mehr weiter. Die Nachbarn sind verreist, die Kinder sind berufstätig und der Vater ist unruhig. Wie soll sie die eigenen Termine mit der Fürsorge für den Vater unter einen Hut bekommen?

 Der Mitarbeiter des G&G Pflegedienstes, der zweimal in der Woche Herrn Frölich duscht, rät Frau Holtmann, Verhinderungspflege und Betreuungsleistungen zu beantragen. Mit der Verhinderungspflege kann Frau Holtmann bis zu 1470 Euro im Jahr für eine Ersatzpflegekraft finanzieren. Bei Fällen von Demenz übernimmt die Pflegekasse weiterhin den erhöhten Betreuungsaufwand zusätzlich zum Pflegegeld. Bis zu 200 Euro im Monat. Das Geld ist gut eingesetzt, wenn dafür regelmäßig jemand da ist oder spontan einspringt.

 Während Frau Holtmann beim Arzt ist und anschließend endlich den lange verschobenen Friseurtermin wahrnimmt, ist Frau Lau-Obertreu bei Herrn Frölich. Sie hat Zeit und viel Interesse an den Erzählungen aus Herrn Holtmanns Vergangenheit. Außerdem hat sie ein großes Brettspiel mitgebracht. Die Zeit vergeht wie im Flug. Herr Frölich geniest die Abwechslung beim Erzählen und Mensch-ärgere-dich-nicht-Spielen. Als seine Tochter nach Hause kommt, strahlt er: „Ich habe gewonnen“.

 Dipl. Pflegewirtin Sigrid Fornaçon, Pflegedienstleiterin (05609 807500)

 P.S.: Gekostet hat der Einsatz Frau Holtmann nichts. Der G&G Pflegedienst hat direkt mit der Pflegekasse abgerechnet. Die Pflegekasse finanziert so zum Beispiel wöchentlich zwei Stunden Betreuung, oder einmal im Monat zwei Tage Verhinderungspflege.

 Tipp: Wenn in einem Monat weniger Mittel beansprucht werden, erhöht sich die Summe bei den Betreuungsleistungen im kommenden Monat.

*Die geschilderte Situation und die Namen sind aus Gründen des Datenschutzes natürlich frei erfunden. So oder ähnlich helfen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vielen Patienten und ihren Angehörigen.